Oberarzt Dr. Gernot Engstler, Ärztl. Leitung Station 2B, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde

 

Wie lange bist du schon dabei?

Seit 20 Jahren – zuerst nach dem Studium 1 Jahr im AKH, seither im St. Anna.

 

Wie sieht dein klassischer Arbeitstag aus?

Ich fühle mich wie ein koordinierender Case Manager – viele Bälle sind gleichzeitig in der Luft. Routinemäßig gibt es 2 Visiten pro Tag. Neben dem Gesamtüberblick habe ich die kränksten Kinder im Auge. Rund um sie koordiniere ich Fach- und Assistenzärzt*innen.  Wir haben in der Praxis sicher noch 1-2 Spezialbesprechungen, die Mittagsbesprechung sowieso, dazwischen Knochenmarksbefundung, Tumorboards und psychosoziale Themen.

 

Wir sind eine Doppelspitze in der Leitung – für eine Person ist es nicht machbar. In Summe arbeiten bei uns auf der Station 2 Oberärzt*innen, 1-2 Fachärzt*innen, 2 Assistenzärzt*innen, 30 Pflegekräfte, 15 Kolleg*innen aus dem psychosozialen Dienst plus Abteilungshilfen. Unsere Fälle sind sehr komplex. Viele Phase-1- und Phase-2-Studien. Jeden Tag Neuland.

 

Was liebst du an deinem Job?

Etwas sehr Sinnvolles tun können. Es passiert so viel wie in den bekannten Krankenhausserien – halt nicht in 45 Minuten, aber von den Themen her: Emotionen, Katastrophen, positive Momente. Man braucht Zähheit und Leidenschaftsfähigkeit. Die Kombination Kinder und Krebs ist besonders hart. Das darf man nicht unterschätzen, aber es gelingt uns so viel mehr als früher und das ist dann sehr befriedigend.

 

Was ist die größte Herausforderung?

Die Eltern stehen unter extremem Druck. Das geht von Resignation bis Aggressivität. Es gibt Äußerungen und Verhalten, die man eigentlich nicht mehr akzeptieren kann. Aber wir sind für die Kinder da! Ich brauche manchmal all meine Kompetenz in Menschenführung und Mediation – als stationsleitender Oberarzt bin ich ja auch für das Wohl meiner Mitarbeiter*innen verantwortlich. Medizinwissen ist erlernbar – das Soziale ist die größere Herausforderung.

 

Wo spürt du Mut, Herz, Stolz?

Es geht meistens gut aus, 8 von 10 Kindern werden gesund – das macht uns sehr stolz. Dazwischen darf man den Mut nicht verlieren, denn es gibt Krebsarten mit sehr schlechten Überlebensraten. Wenn das dann gut ausgeht, sind alle auf der Station glücklich. Das schweißt das Team noch mehr zusammen.

 

Der Schicksalspfeil Krebs trifft alle sozialen Schichten – unsere Eltern sind afghanische Analphabet*innen oder Wiener Universitätsprofessor*innen. Wir versuchen, sie alle dort abzuholen, wo sie es brauchen, und betreuen sie mit Herz, egal wie lang oder schwer der Weg ist.

 

Hast du einen Lieblingsplatz im St. Anna?

Nein, Rückzug gibt es nicht wirklich.

 

Was rätst du Neuen?

Du musst eine robuste Persönlichkeit sein, die sich selbst weder ständig in Frage stellt noch sichfür unfehlbar hält. Das Thema muss dich wirklich interessieren und der Ausgleich im Privatleben sollte funktionieren. Dann ist es dein Job!

© SAK / Holly Kellner Oberarzt Dr. Gernot Engstler, Ärztl. Leitung Station 2B, Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde

Sprechen dich unsere Werte und unsere Arbeitsfreude an, willst du Großes für die Kleinen leisten? Dann bist du bei uns richtig!

 

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